Eine artgerechte Fütterung ist die Grundlage für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden unseres Pferdes. Die Ernährungspyramide des Pferdes basiert auf vier zentralen Säulen: Wasser, Raufutter, Kraftfutter sowie Mineralstoffe & Zusätze. Entscheidend sind dabei nicht die neusten Trends oder bunte Futtersäcke sondern passende Futtermittel für das jeweilige Pferd, die richtige Futtermenge und die Qualität.
1. Wasser – die wichtigste Grundlage
Wasser steht immer an erster Stelle. Ein Pferd benötigt – abhängig von Größe, Arbeitsintensität und Witterung – etwa 20 bis 80 Liter Wasser pro Tag. Bei Hitze oder vermehrter Belastung steigt der Bedarf deutlich an, während er bei einer hohen Aufnahme von frischem Gras etwas geringer ausfallen kann. Frisches Wasser muss jederzeit frei zugänglich sein, denn eine unzureichende Wasseraufnahme kann schnell zu gesundheitlichen Problemen wie Verstopfungskoliken führen, insbesondere im Winter.
Tränken und Bottiche sollten täglich kontrolliert und regelmäßig gründlich gereinigt werden, da viele Pferde abgestandenes oder verschmutztes Wasser verweigern. Empfehlenswert sind lebensmittelechte Materialien sowie im Winter frostfreie oder beheizbare Tränken, um die Wasseraufnahme auch bei niedrigen Temperaturen sicherzustellen. Dunkle oder minderwertige Behälter können sich in der Sonne stark erhitzen, wodurch das Wasser einen unangenehmen Beigeschmack entwickeln und gemieden werden kann.
2. Raufutter – das Fundament der Fütterung
Raufutter bildet die Basis jeder Pferderation. Ein Pferd sollte täglich mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm Raufutter pro 100 Kilogramm Sollgewicht erhalten. Lange Fresspausen sollten vermieden werden, da das Verdauungssystem auf eine kontinuierliche Futteraufnahme ausgelegt ist.
Zum Grundfutter zählen nicht nur Heu, sondern auch Gras, Luzerne, Esparsette, Stroh sowie geeignete Knabberäste, Wurzeln oder Laub. Stroh sollte jedoch höchstens ein Drittel der täglichen Heumenge ersetzen, um das Risiko von Verstopfungen zu minimieren. Gerade bei leichtfuttrigen Pferden kann ein Heu-Stroh-Gemisch sinnvoll sein, da es die Energieaufnahme reduziert und gleichzeitig die Fresszeit verlängert.
Ebenso entscheidend ist eine einwandfreie Raufutterqualität. Das Futter sollte frei von Schimmel, Erde, Sand und Giftpflanzen sowie möglichst staubarm sein, um die Gesundheit von Verdauung und Atemwegen nicht zu beeinträchtigen.
3. Kraftfutter – nur bei Bedarf
Kraftfutter ist nicht für jedes Pferd notwendig. Viele Freizeitpferde sind mit einer bedarfsgerechten Raufutterversorgung ausreichend versorgt. Wichtig ist, dass Kraftfutter die Raufuttermenge weder übersteigen noch ersetzen darf, da die Basis jeder Pferdefütterung immer strukturreiches Grundfutter sein sollte.
Ist zusätzliche Energie erforderlich – beispielsweise bei Sportpferden, Zuchtstuten, Pferden im Wachstum sowie bei alten oder kranken Pferden – sollte das Kraftfutter sorgfältig ausgewählt und exakt an die bestehende Ration angepasst werden. Eine fachkundige Beratung ist dabei empfehlenswert, um Fehl- oder Überversorgungen zu vermeiden. Zudem sollte Kraftfutter immer erst nach der Raufuttergabe gefüttert werden, um Verdauungsstörungen vorzubeugen.
4. Mineralstoffe, Vitamine, Öle und Leckerlis – gezielt einsetzen
Mineralstoffe und Vitamine können notwendig sein, da Raufutter nicht immer alle Nährstoffe vollständig abdeckt. Idealerweise erfolgt die Ergänzung bedarfsgerecht, beispielsweise auf Grundlage einer Heuanalyse. Wird bereits mineralisiertes Kraftfutter gefüttert, muss eine zusätzliche Mineralgabe angepasst werden, um Überdosierungen zu vermeiden. Auch Öle können in kleinen Mengen sinnvoll sein, um zusätzliche Energie zu liefern.
Leckerlis sollten sparsam gefüttert werden. Zuckerfreie Varianten mit hohem Raufutteranteil und ohne künstliche Aromen sind zu bevorzugen. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich, da viele Produkte unnötig viel Zucker enthalten. Bei Clickerpferden eignen sich kleine Clickerleckerlis oder – je nach Zusammensetzung – auch das Mineralfutter als Belohnung, um zusätzliche Energie zu vermeiden.
Saftfutter wie Äpfel oder Birnen kann ebenso in kleinen Mengen gegeben werden, sollte aufgrund des Zuckergehalts jedoch nur gelegentlich gefüttert werden, besonders bei stoffwechselempfindlichen Pferden.
Autorin: Lynn Kirsch http://www.soleiftri.com


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